Erfolgsgeschichte der WEY Group

 

Um als Ausrüster und zeitgleich Weltmarktführer von internationalen Finanzhandelsplätzen auch in Zeiten von Frankenstärke, Bankenkrise und Exportflaute weiterhin erfolgreich zu sein, galt es für die beiden Firmeninhaber Mario Okle und Armin Klingler die richtigen Entscheidungen zu treffen – frühzeitig und mit Weitblick.

 

Die Idee, die hinter der Strategie stand und heute das zweite Standbein des Unternehmens ausmacht entwickelte sich im Zug nach Mailand. Nach starkem Wachstum in den letzten Jahren, stellten sich die beiden Geschäftsführer die Gretchenfrage: „Wohin wollen wir mit dem Unternehmen?“

 

Die WEY Group war damals bereits die Weltmarktführerin in der technischen Ausstattung von Börsenhandelsplätzen. Sie hatte die Technologie für den elektronischen Echtzeithandel entwickelt und war eine kerngesunde Unternehmensgruppe. „Trotzdem waren wir gewarnt“, sagt heute Armin Klingler. „Wir waren 2002 und 2003 durch ein Stahlbad gegangen. Und wir waren gewillt, aus der damaligen Börsenkrise zu lernen.“

 

2004, im Zug nach Mailand also, entschieden Armin Klingler, der Betriebswirtschaftler, und Mario Okle, der nur um wenige Wochen jüngere ETH-Ingenieur, die WEY Group in eine neue Richtung zu steuern – und sie hatten die zündende Idee: Das Bündeln, Steuern und Visualisieren von Echtzeitdaten, häufig in einem komplexen und unberechenbaren Umfeld, musste auch in Kontrollräumen bewältigt werden – sei es in der Flugsicherung, der Verkehrssteuerung, der Kraftwerküberwachung, der Wasserversorgung oder bei Einsatzzentralen.

 

Firmenkultur auf den Kopf gestellt

 

Was heute eine Erfolgsgeschichte ist und der Firma auch in schwierigen Zeiten ein konstantes Wachstum von jährlich 4 bis 5 Prozent beschert, begann aber harzig. „Wir hatten eindeutig Finanzmarkt-Gene in unserem Blut“, sagt Mario Okle. „Für uns war es, als würde sich ein Schuhmacher plötzlich als Schneider betätigen.“

 

Mario Okle und Armin Klingler holten externe Know-how-Träger in das Unternehmen und stellten die Firmenkultur auf den Kopf. Denn nicht nur die technischen Unterschiede zu den relativ einfachen Prozessabläufen im Börsenhandel stellten die Firmenchefs vor neue Herausforderungen. Vor allem der Umgang mit den Auftraggebern, in der Regel mit der öffentlichen Hand, und die Ausschreibungsverfahren waren Neuland.

 

Nach jeder Absage ein Debriefing

 

„Wir holten uns ein paar Mal wunde Finger“, erinnert sich Armin Klingler. „Wie um Himmels willen hätten wir fünf Referenzen mit Auftragsvolumen von mehr als einer Million Franken ausweisen sollen, wenn wir erst gerade in diesem Bereich gestartet sind?“ Armin Klingler und Mario Okle lernten aber schnell. „Nach jedem ablehnenden Entscheid sassen wir mit den Auftraggebern zusammen und liessen uns erklären, weshalb wir unterlagen“, so Okle.

 

In den ersten drei Jahren gewann man keinen einzigen Kontrollraum-Auftrag. „Es war ein Segen, dass wir die Diversifizierung in den guten Zeiten beschlossen“, sagt Armin Klingler. „Da konnten wir uns eine Durststrecke und Lernphase leisten.“ Bald begann WEY die Steuerungsanlagen gemeinsam mit grossen Partnern zu offerieren – mit Siemens oder Bosch, um in den Markt einzudringen. „2011 war der Durchbruch, in diesem Jahr“, sagt Mario Okle stolz, „haben wir an acht Ausschreibungen in der Schweiz teilgenommen und acht Mal den Zuschlag erhalten.“

 

Gesamte Produktion in der Schweiz

 

Die Produktion der Geräte und Computerplatinen mit den auf die spezifischen Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Schaltungen und Steuerungsplänen erfolgt in Unterengstringen bei Zürich. „Eine Auslagerung kommt nicht in Frage“, sagt Armin Klingler. „Wir wollen Schweizer Qualität liefern. Zudem geben uns die eigenen neuesten Produktionsanlagen sehr viel Flexibilität, um auf Kundenwünsche einzugehen.“

 

Gerade weil die Steuerung und Darstellung von Echtzeitdaten hochkomplex und weil in Kontrollräumen immer auch der Krisenfall einzuplanen ist, stellt die Nähe bei Produktion in der Schweiz einen Vorteil für WEY dar. „Forschung und Entwicklung laufen immer Hand in Hand mit den Kundenwünschen und den Produktionsmöglichkeiten“, so Mario Okle. So könne man kundennahe Lösungen entwickeln, auf welche die Konkurrenz gar nicht erst komme - das sei die Stärke des Unternehmens.

 

Gemeinsam zu Höchstleistungen

 

Mit dieser Philosophie erfüllt WEY nicht nur die Anforderungen und Wünsche der Kunden, sondern nach dieser Philosophie wird auch mit ausgesuchten Partnern zusammengearbeitet. Warum sind diese Partnerstrukturen so wichtig? Für die Handels- und Kontrollraumtechnik haben sich KVMA-Switching-über-IP-Lösungen durchgesetzt (nur die Signale von Keyboard, Video, Maus und Audio werden geschaltet) und es gibt mittlerweile einige Anbieter und Hersteller, die hier Teillösungen anbieten. Um jedoch erfolgreich und nachhaltig am Markt agieren zu können, bedarf es eines Gesamtkonzeptes, welches die steigenden Anforderungen der Anwender, IT und Organisationen vereint. Ein solches Gesamtkonzept ist nur möglich mit einer intensiven und abgestimmten Partnerstruktur, in der die Produkte vollständig aufeinander abgestimmt und entwickelt werden. Die technische Integration wird zum Qualitätskriterium. Hierdurch kann dem Kunden die nötige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit geboten werden, die er sich im Arbeitsalltag wünscht.

 

Grosses Wachstum erwartet

 

Heute zahlt sich die Neuausrichtung aus. Armin Klingler stellt im Bereich der Kontrollräume ein „fast explosionsartiges Wachstum“ fest. Häufig würden moderne Systeme mit grossen Mehrfach-Bildschirmen von Unternehmen auch als Marketinginstrument eingesetzt. „Das wirkt bei Besuchern. Man beweist damit, dass man auf der Höhe der Entwicklung ist.“ In Deutschland beispielsweise sei die zur WEY Group gehörende WEY Technology GmbH „raketenmässig durchgestartet“. Dort hat das Unternehmen die Kontrollraumüberwachung in Kernkraftwerken und die zentrale Leitstelle der Hamburger Hochbahn (S-Bahn, U-Bahn und Bus-Netz) eingerichtet. Zusätzlich liefert WEY Lösungen für diverse Polizeileitstände grösserer Städte in Nordrhein-Westfalen, sowie die neue grosse zentrale Leitstelle des Hamburger Hafens (Hamburg Port Authority).

 

Die WEY Group ist mittlerweile in 45 Ländern tätig und hat bisher weltweit über 35‘000 Arbeitsplätze  bei über 500 Grosskunden eingerichtet.